Ohne Champagner kann ich nicht leben. Bei Siegen verdiene ich ihn, bei Niederlagen brauche ich ihn. 

Napoleon Bonaparte (1769 – 1821), französischer Feldherr und Kaiser 

Die Geschichte des Champagners ist eng mit der Geschichte Frankreichs verknüpft. Champagner, dieser Wein der edlen Geister, ist der Wein der Aufklärung, der französischen Revolution und der darauf folgenden Restauration. Champagner wurde ebenso von den Verfassern des kommunistischen Manifests wie von den Vertretern des Kapitals geschlürft. Auf den preussisch-bayerischen Vertrag, der im November 1870 unterzeichnet wurde und die Einheit Deutschlands besiegelte, kredenzte Bismarck nicht etwa einen Sekt von der Mosel, sondern stiess mit Champagner an; und dies, obwohl Frankreich Deutschland vier Monate zuvor den Krieg erklärt hatte.

Mythos Dom Pérignon

Und wer hat’s erfunden? Natürlich behaupten die Franzosen, dass Champagner in Frankreich erfunden wurde. Von einem Mönch der auf den Namen Dom Pérignon hörte. Doch, bei aller Liebe zu dem Land: Franzosen legen nicht viel Wert auf Details – denn da steckt der Teufel drin. Und Gott lebt in Frankreich.

Geschichte des Champagners: Die sprudelnde Entdeckung der Seefahrer

Die Geschichte des Champagners begann anfangs des 17. Jahrhunderts. Die Hauptfiguren sind englische Biertrinker – kein französischer Kellermeister. Fassweise wurde Wein aus der Champagne nach England gebracht. Meist geschah dies im Winter, so dass die Kälte manche Gärung unterbrochen hat. Sind die Fässer auf der Insel angekommen, füllten die Engländer den Wein in Flaschen um und verkorkten diese mit richtigen Korken – etwas, das damals in Frankreich noch unbekannt war. Die Praxis, Flaschen superdicht zu verkorken, war in England längst zum verschliessen von Bierflaschen üblich (zur Zeit des Mönches Dom Pérignon wurden in Frankreich die Weinflaschen mit einem hanfumwickelten Holzpfropfen verschlossen). Wenn es dann Frühling und in den Pubs wärmer wurde, erwachte die Hefe aus ihrem Winterschlaf und setzte die für Champagner unentbehrliche zweite Gärung in Gang. Die Kohlensäure, welche dadurch entstand, entwich beim Entkorken mit einem kräftigen Knall – und die Engländer waren darüber very amused. Ferner reichte der Engländer Christoph Merret bereits 1662 ein Schriftstück bei der Royal Society ein, in dem beschrieben wird, wie man Wein zu einer zweiten Gärung und somit zum schäumen bringen kann. Dom Pérignon arbeitete erst seit 1668 als Kellermeister der Abtei Hautvillers – also sechs Jahre zu spät, um den Champagner zu erfinden. 

Tempelritter, Tauben, Renois und La Fontaine

Die französische Geschichte hat der Provinz Champagne ziemlich übel mitgespielt. Unter anderem waren die Tempelritter äusserst präsent in diesem Winkel, wo auch Charles de Gaulles begraben liegt. Ich empfehle absolut  geführte Besichtigungen. Besonders in der Kathedrale von Reims. In dieser Kathedrale entstand viel Geschichte. Es war am Weihnachtsabend des Jahres 496 oder 497 – je nach Quelle -, jedenfalls aber kurz vor Beginn des fünften nachchristlichen Jahrhunderts. Der Franken-König Clovis hat nicht nur in blutigen Schlachten die römische Miliz besiegt, sondern hat auch die Alemannen und Westgoten in der Kirche von Reims zum Christentum bekehrt. Dies geschah durch den heiligen Remi, den Bischof von Reims. Und zwar so: Mit ganz speziellem Weihwasser, welches von einer von Gott entsandter Taube gebracht wurde, transformierten sich die ungläubigen, primitiven und räuberischen Barbaren zu gläubigen, zivilisierten Christen. Die Champagne wurde gleichzeitig zur Wiege Frankreichs und der späteren französischen Nation. Als Atheistin erscheint mir dies alles etwas schleierhaft, interessant ist die Geschichte aber allemal.

Es gibt, nebst Kathedrale und Champagner, viel zu entdecken. Beispielsweise ein Besuch in Renoirs Atelier in Essoyes oder den Geburtsort des Fabeldichters La Fontaine in Château-Thierry. Möchte ein Champagnerhaus besucht werden, empfiehlt es sich, seinen Besuch vorgängig anzumelden. 

„Champagner ist der einzige Wein, der eine Frau noch schöner macht, nachdem sie ihn getrunken hat.“ Madame de Pompadour.

Aber Obacht!

Das Leben in der Champagne ist süss. Eine Tatsache, die vielen Champager-Liebhabern oftmals nicht bewusst ist. In einer Flasche Champagner der Kategorie „brut“ (welche 95 Prozent aller Champagnerverkäufe weltweit ausmacht), sind rund drei Teelöffel Zucker erlaubt. In einer Flasche demi-sec Champagner ist sogar das Dreifache an Zucker enthalten. 

Zuckergehalt im Champagner

ArtZuckergehalt pro Liter
„Brut nature”
(Naturherb, dosage zero) 
bis 3 Gramm
„Extra brut”darf bis 6 Gramm enthalten
„brut“finden sich bis zu 15 Gramm
„Extra dry“hat 12 bis 20 Gramm
„Sec“ 17 bis 35 Gramm
„Demi-Sec“ satte 33 bis 50 Gramm

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